Projekte, Wettbewerbe, Auszeichnungen

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 Von 1993 - 1996 nahm die Gemeinde Oberammergau neben Bad Brückenau, Kirchdorf im Wald und Leutershausen als eine von 4 Pilotgemeinden am Projekt „Umweltschutz in der Gemeinde“ des Bayerischen Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen teil. Ziel des Projektes war die Erarbeitung eines „Umweltleitfadens“, der den bayerischen Kommunen konkrete organisatorische und fachliche Anleitungen zu umweltgerechtem Handeln geben sollte. Das Handbuch „Die umweltbewußte Gemeinde - Leitfaden für eine nachhaltige Kommunalentwicklung“ liegt seit August 1996 vor. Um den Leitfaden so praxisgerecht wie möglich zu gestalten, wurden in den Pilotgemeinden neben einer kompletten Erfassung bereits durchgeführter Umweltmaßnahmen spezielle Umweltkonzepte entwickelt und erprobt. Für die Erstellung dieser Umweltkonzepte wurde ein sog. „Umweltforum“ aus interessierten Bürger, den örtlichen Politikern, Ämtern, Verbänden, Vereinen, Landwirten etc. gebildet. Das Vorgehen entsprach damit im wesentlichem einem Agenda 21-Prozeß. Als konkrete Maßnahmen im Rahmen des Projektes sind u.a. die naturnahe Umgestaltung des Schulhofes der Grund- und Hauptschule Oberammergau sowie das 1. Oberammergauer Umweltfest am 01. Oktober 1994 zu nennen (siehe oben). 

Um den eigenen Standort zu bestimmen, hat sich die Gemeinde auch an verschiedenen Wettbewerben beteiligt. Bei der Ausschreibung des „Europäischen Preises für Tourismus und Umwelt“ der EU im Jahr 1995 wurde Oberammergau mit 4 weiteren Wettbewerbern in die engere deutsche Auswahl genommen. Auf europäischer Ebene sind wir dann allerdings „auf der Strecke“ geblieben. Die Absicht unserer Beteiligung, zu sehen, wie wir im Wettbewerb mit anderen Orten stehen und durch das Erkennen unserer Schwächer besser zu werden, hat sich leider nicht erfüllt. Die EU hat es außer einem Dankschreiben für die Teilnahme nicht für nötig erachtet, in einer kritischen Reflexion auf unsere Bewerbung näher einzugehen.

Unter dem Titel „Ökomanager des Jahres“ ehren das Wirtschaftsmagazin Capital und die Umweltstiftung WWF  Deutschland alljährlich Persönlichkeiten, „die mit hohem persönlichem Einsatz hinter ihren Umweltkonzepten stehen“. 1995 erhielt der 1. Bürgermeister der Gemeinde, Herr Klement Fend, den „Sonderpreis für beispielhaftes kommunales Umweltmanagement“ verliehen. Nach Ansicht des Preisgerichts gelang es Bürgermeister Fend seit seinem Amtsantritt 1984 in vorbildlicher Weise kommunalen Umweltschutz umzusetzen, indem er immer wieder Parteien, Fraktionen und Bürger mit ihren unterschiedlichen Meinungen und Vorstellungen hierfür „unter einen Hut brachte“.

Ab September 1996 beteiligte sich die Gemeinde Oberammergau neben Großweil und Mittenwald als eine von 3 Landkreisgemeinden am Projekt „Gemeinde-Netzwerk - Allianz in den Alpen“ der internationalen Alpenschutzkommission CIPRA. Ziel dieses Projekts, an dem in der Pilotphase 27 Gemeinden aus allen Ländern der Alpen teilnahmen, war die Umsetzung der Alpenkonvention sowie die freiwillige Verbesserung der Umweltsituation in den Gemeinden. Im Rahmen des Projekts wurden Umweltprogramme für die Handlungsbereiche „Tourismus“ und „Verkehr“ sowie „Leitlinien für die Umweltpolitik der Gemeinde Oberammergau“ erarbeitet. Mit der Verabschiedung am 11.06.1997 hat sich der Gemeinderat dazu verpflichtet, sich in der gemeindlichen Umweltpolitik künftig an diesen Leitlinien zu orientieren.

Zum Abschluß der Pilotphase wurde am 27.09.1997 in Bovec (Slowenien) der Verein „Gemeinde-Netzwerk Allianz in den Alpen“ gegründet. Zentrale Aufgabe des Vereins ist es, seine Mitglieder bei der Umsetzung der Alpenkonvention und der Förderung einer nachhaltigen Entwicklung vor Ort zu unterstützen. Er koordiniert die zukunftsweisende grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Gemeinden und setzt den begonnenen intensiven Informations- und Erfahrungsaustausch fort. Oberammergau ist diesem Verein als Gründungsmitglied beigetreten.

1996 hat Oberammergau am Bundeswettbewerb „Umweltfreundliche Fremdenverkehrsorte in Deutschland“ teilgenommen. Hintergrund für die Teilnahme an diesem vom Deutschen Fremdenverkehrsverband gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundesumweltministerium ausgeschriebenen Wettbewerb war wie bereits beim „Europäischen Preis für Tourismus und Umwelt 1995“ die Überlegung, daß die Gemeinde dadurch ihre Aktivitäten im Umwelt- und Naturschutz einer objektiven Bewertung durch ein neutrales Gremium unterziehen könnte und gleichzeitig erfahren würde, wie sie im Vergleich mit anderen Fremdenverkehrsgemeinden in diesem Bereich „dastehe“. Außerdem wurde eine eventuelle Auszeichnung als Wettbewerbsvorteil im Fremdenverkehr erachtet.

Von den insgesamt 118 Städten und Gemeinden, die sich an diesem Wettbewerb beteiligt hatten, wurden schließlich 27 ausgezeichnet, 14 davon - darunter auch Oberammergau - mit einem „Projektpreis Tourismus und Umwelt“. Oberammergau erhielt diesen Projektpreis für seine Bemühungen zur „Erhaltung und Sicherung der Oberammergauer Wiesmahdflächen“ sowie „weiterer Leistungen im Bundeswettbewerb.“ 1. Bürgermeister Fend konnte den Preis am 26. Februar 1997 in Bonn aus den Händen von Bundeswirtschaftsminister Dr. Günter Rexrodt entgegennehmen

Aus der Hand von Bayerns Umweltstaatssekretärin Christa Stewens erhielten am 30. April 1999 in Poing 30 bayerische Gemeinden und Städte die Umweltauszeichnung der Aktion „Umweltbewußte Gemeinde“ der Bayerischen Staatsregierung. 20 Gemeinden wurden mit dem Umweltpreis in Gold ausgezeichnet - unter ihnen auch Ober-ammergau. Mit der Umwelturkunde honoriert die Staatsre-gierung nicht Einzelleistungen. Gold, Silber oder Bronze gibt es nur für hervorragende Leistungen in 10 Handlungsberei-chen - angefangen von der Siedlungsökologie über Energie und Klimaschutz bis hin zur kommunalen Beschaffung. Herzstück der Aktion ist ein Umwelt-Selbst-Check mit einem Computer-Umwelt-Programm, mit dem die Gemeinden einfach und ohne großen Aufwand ihren aktuellen Stand in Sachen Ökologie ermitteln können. Ein ausgeklügeltes Punktesystem bewertet die Ergebnisse: Gold für weit überdurchschnittliche Leistungen, Silber für überdurchschnittliche Leistungen und Bronze für anerkennenswerte Leistungen. Die Auszeichnung gibt es aber nur, wenn die Ergebnisse einer Überprüfung standhalten.

 Im Zusammenhang mit den Passionsspielen 2000 lief von Mai 1998 bis April 2001 ein Projekt zur Regionalentwicklung im Ammertal, das von den Gemeinden des Ammertals, dem Landkreis und der Bundesstiftung Umwelt getragen und finanziert und vom Alpenforschungsinstitut durchgeführt wurde. Ziel des aus mehrere Bausteinen bestehenden Projekts mit dem Titel „Umweltgerechte Regionalentwicklung und Passion 2000“ war die Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe und die umweltgerechte Vorbereitung und Durchführung der Passionsspiele. Die wichtigsten Bausteine waren:

Regionalvermarktung

Die regionale Vermarktung der Produkte aus der heimischen Landwirtschaft hat durch das Projekt große Fortschritte gemacht:

1. Fleisch: Was mit Schmankerlwochen an Weihnachten 1999 begann hat sich inzwischen als dauerhaftes Angebot etabliert: unter dem Logo „Ammergauer Alpen“ werden Fleisch und Wurst vom Ammertaler Weiderind in einigen Gastronomiebetrieben und von den örtlichen Metzgereien jetzt ganzjährig angeboten. Lammfleisch soll so bald als möglich folgen.

  2. Milch: Um eine Vermarktung der im Ammertal produzierten Milch in der Region zu ermöglichen wurde ein Konzept für eine Schaukäserei mit einer jährlichen Verarbeitungsmenge von 900.000 kg Milch erstellt. Als möglicher Partner bei Bau und Betrieb der Käserei konnte das Kloster Ettal gewonnen werden, das zudem auch ein Grundstück in günstiger Lage einbringen könnte. Die Landwirte sollen als Mitunternehmer in den Betrieb der Käserei eingebunden werden. Für die Umsetzung des Konzepts sind noch einige Detailarbeiten notwendig. Die Gemeinde hat damit Herrn Robert Schätzl beauftragt, der schon im Rahmen des Passionsprojekts den Baustein „Regionalvermarktung“ betreut hatte.

3. Wiesheu: Duftkissen mit Heu- oder Tannen-Heu-Duft und Heutiere gibt es seit Dezember 1999 von der Wiesmahdgemeinschaft Oberes Ammertal. Anfang 2001 hat sich der Wiesheu-Schnaps hinzugesellt. Der Verein hat damit Produkte geschaffen, die sich inzwischen einer regen Nachfrage erfreuen. Daß das an Heil- und Gewürzpflanzen reiche Heu der ungedüngten, einmahdigen Bergwiesen besonders hochwertig ist, zeigt sich auch daran, daß es inzwischen auch von Kurhotels und Kliniken aus dem Ammertal z.B. für Heubäder verwendet wird.

Ortsbus

Bereits seit Anfang der 90er Jahre bestanden Überlegungen einen innerörtlichen ÖPNV in Oberammergau einzurichten. Lange ging es in Sachen Ortsbus über Ansätze und grundsätzliche Diskussionen nicht hinaus. Um hier endlich weiterzukommen, wurde dieses Thema als ein Baustein in das Projekt „Passion 2000“ aufgenommen. Als wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Ortsbus wurde zunächst im Herbst 1998 eine Parkraumbewirt-schaftung eingeführt. In einem Arbeitskreis wurde auf Basis bereits vorhandener Überlegungen (es gab z.B. bereits Routenvorschläge) ein Konzept für einen Ortsbus erarbeitet, das vom Gemeinderat im November 1999 auch grundsätzlich gebilligt wurde. Das Ergebnis der anschließenden Ausschreibung entsprach dann aber leider nicht den Vorstellungen einer Mehrheit des Gemeinderates, so daß die Einführung des Ortsbusses letztlich abgelehnt wurde.

Naturschutzinfozentrum

Vom Alpenforschungsinstitut wurde im Rahmen des Projekts auch eine Konzeptstudie für ein Naturschutzinfozentrum „Ammergebirge“ durchgeführt. Auf der Basis einer alpenübergreifenden Recherche bestehender Infozentren wurden mehrere Modelle für eine derartige Einrichtung im Ammertal entwickelt. Das von den Ammertaler Bürgermeistern favorisierte Modell sah ein „klassisches“ zentrales Infozentrum mit dezentralen Stationen im gesamten Ammertal vor. Die Bewilligung zusätzlicher EU-Fördermittel über das Projekt „Natur und Kultur aktiv erleben“ ermöglichte es, dieses Konzept detaillierter auszuarbeiten. Ein eigens hierfür eingerichteter Arbeitskreis befaßte sich mit Fragen wie thematische Inhalte und pädagogisches Konzept, Standortplanung, Ausstattung und Infrastruktur und nicht zuletzt auch mit der Finanzierung. Dabei hat sich die inzwischen fertiggestellte Konzeption immer mehr weg von einem reinen Naturschutzinfozentrum hin zu einer Umweltbildungseinrichtung entwickelt.

Öko-Audit

  Als erster kommunaler Tourismusbetrieb Deutschlands hat „Oberammergau Tourismus“ (OT) im Rahmen des Projekts „Passion 2000“ ein sogenanntes Öko-Audit-Verfahren für die Standorte Wellenberg, Kolbenlifte und Verkehrsbüro durchgeführt: Dazu wurden die drei Betriebe zunächst eingehend untersucht und dabei insbesondere die Bereiche, die für den Umweltschutz und die Gesundheit der Mitarbeiter von Bedeutung sind, unter die Lupe genommen. Gleichzeitig wurde in sog. Umweltleitlinien festgehalten, an welchen Handlungsgrundsätzen sich OT künftig orientieren will. Was in den drei Betrieben zur Erleichterung und Verbesserung der Arbeit und für den Gesundheits- und Umweltschutz unternommen werden soll, wurde in sogenannten Umweltprogrammen festgehalten. Diese leiten sich von den Ergebnissen der ersten Überprüfung ab und enthalten nicht nur die vorgesehenen Maßnahmen, sie regeln auch, wer für diese verantwortlich ist und bis wann sie erledigt werden müssen. Für die Umsetzung der Umweltprogramme und eine systematische Berücksichtigung des Umweltschutzes in den Betrieben wurde außerdem ein Umwelt-Management-System eingeführt. Das gemeindliche Umweltreferat prüft einmal im Jahr, ob dieses System funktioniert. Alle drei Jahre überprüft zusätzlich ein unabhängiger Gutachter, ob das Umwelt-Management den Regeln der EU entspricht. Ist dies (wie im Jahr 2000) der Fall, wird „Oberammergau Tourismus“ nach der EG-Öko-Audit-Verordnung zertifiziert und kann sich mit dem europaweit anerkannten EMAS-Label präsentieren.

Tourismuskonzept

Im Rahmen dieses Bausteins wurde ein konkreter, mit den Verantwortlichen und Akteuren abgestimmter Maßnahmenkatalog für die Angebotsentwicklung und -verbesserung eines naturnahen, erlebnisorientierten Qualitätstourismus in Oberammergau erarbeitet. Außerdem wurden die ersten Schritte hin zu einer gemeinsamen touristischen Organisation im Ammertal getan. Unter dem Logo „Ammergauer Alpen“ sollen künftig nicht nur die regionalen Produkte vermarktet, sondern auch die Marketingaktivitäten der Ammertalgemeinden im Tourismus gebündelt werden.

 

Im Jahr 2001 wurde schließlich das Projekt „Füchse in Oberammergau“ gestartet. Ziel des Projekts ist es, die Gefährdung der Bürger durch den Kleinen Fuchsbandwurm bzw. die von ihm ausgelöste schwere Erkrankung „alveolare Echinococcose“ zu minimieren. Dazu wurden zunächst quasi als „Sofortmaßnahme“ die Füchse in und um Oberammergau mittels verstärkter Bejagung reduziert. Das Augenmerk wurde dabei insbesondere auf die Füchse gelegt, die im Ort ihren Bau haben und sich dementsprechend auch ständig im Ort aufhalten. Die erlegten Füchse wurden auf Ihren Befall mit dem Fuchsbandwurm untersucht, um die potentielle Gefährdung der Bürger abschätzen zu können (Risikoanalyse). Mit Hilfe der Telemetrie (einzelne Füchse bekommen ein Halsband mit Sender, mit dessen Hilfe sie jederzeit geortet werden können) wird außerdem der Lebensraum der Füchse erforscht. Aufgrund der Ergebnisse von Risikoanalyse und Telemetrie sollen dann die weiteren Schritte diskutiert werden.

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