Land- und Forstwirtschaft, Regionalvermarktung

                                                                                                                             zurück

In der Land- und Forstwirtschaft ist die Berücksichtigung der Belange des Naturschutzes für die Gemeinde ebenfalls ein wichtiges Thema. Dementsprechend ist im Forstwirtschaftsplan die Erhaltung und Förderung des Bergmischwaldes als wichtigstes Ziel aufgenommen. Dies trägt auch der besonderen Situation der Oberammergau umgebenden Wälder Rechnung: Fast 50 % der Wälder besitzen Schutzwaldcharakter. Im Gemeindewald sind es sogar 87 %, die vor Hochwasser, Hangabrutschungen und Lawinen schützen. Die Schutzwälder liegen vielfach in sehr exponierten und erosionsgefährdeten Lagen über 1500 m über NN. Wegen der Belastung der Atmosphäre mit Schadstoffen, Windwürfen und anschließenden Borkenkäferkalamitäten ist der Erhalt dieser Schutzfunktionen gefährdet. Deshalb wurden mit dem Forstamt Oberammergau Vereinbarungen getroffen, die die Sanierung dieser Schutzwälder durch die Pflanzung von Mischbaumarten mit dem Ziel einer standortsgerechten, stabilen Dauerbestockung vorsehen.

Von den insgesamt ca. 316 ha landwirtschaftlich genutzter Fläche im Gemeindegebiet werden 182 ha über das Bayerische Kulturlandschafts- und Extensivierungsprogramm gefördert. Weitere ca. 60 ha werden im Rahmen des „Wiesmahdpflegeprogramms“ gemäht. Bei ca. 65 ha handelt es sich um Streuwiesen, die nur extensiv bewirtschaftet werden können. Somit wird nahezu die gesamte landwirtschaftlich genutzte Fläche extensiv bewirtschaftet. Dies drückt sich auch durch den Viehbestand aus. Dieser liegt einiges unter 1,0 Großvieheinheiten pro Hektar.

Seit einigen Jahren bemüht sich die Gemeinde auch, die Vermarktung von Produkten, die aus der heimischen Landwirtschaft stammen, zu fördern. Anfangs waren die Versuche, eine Regionalvermarktung in Oberammergau bzw. im Landkreis Garmisch-Partenkirchen zu initiieren, von wenig Erfolg gekörnt. So sollte z.B. bis Herbst 1996 in Oberammergau eine Schaukäserei entstehen, die die in Oberammergau und in der näheren Umgebung produzierte Milch verarbeiten sollte. Der Großteil der örtlichen Landwirte, die Gemeinde und auch die Gastronomie standen hinter diesem Vorhaben. Aufgrund verschiedener (u.a. rechtlicher) Probleme konnte die Schaukäserei letztlich aber nicht verwirklicht werden.

Erst mit dem Projekt „Förderung der Regionalvermarktung in Oberammergau“, das mit finanzieller Unterstützung durch das Bayerische Umweltministerium durchgeführt wurde und in dessen Rahmen die Möglichkeiten einer Vermarktung von Rind- und Lammfleisch in der örtlichen Hotellerie/Gastronomie und an den Endverbraucher, einer regionalen Milchvermarktung über eine Schaukäserei, Hofkäserei(en) und/oder Frischmilchvermarktung sowie eines Einsatzes von Heu in regionalen Kureinrichtungen wissenschaftlich abgeschätzt wurden, kam Bewegung in die Regionalvermarktung: Beim 2. Umweltfest 1998 arbeiteten erstmals Landwirte, Metzger, Forstamt und der Gastwirt des Ammergauer Hauses zusammen, um die Leistungen und Produkte der örtlichen Landwirtschaft einem breiten Publikum vorstellen zu können. Außerdem gab es erste Versuche zur Vermarktung des von den Wiesmahdflächen stammenden Heus für Kurzwecke. Der endgültige Durchbruch in Sachen Regionalvermarktung kam dann mit dem Projekt „Umweltgerechte Regionalentwicklung und Passion 2000“ (siehe dort).

 Auch im innerörtlichen Bereich versucht die Gemeinde der Natur ausreichend Raum zu geben. So wurden in den letzten Jahren verstärkt Bäume im Siedlungsbereich gepflanzt und dafür in vielen Fällen zugeteerter Grund entsiegelt. Ein Beispiel hierfür ist die Rottenbucher Straße, an der insgesamt 35 Laubbäume gepflanzt und dafür ca. 900 qm Teerfläche entfernt wurden. Soweit eine Neuanlage von Verkehrsflächen unumgänglich ist, wird auf eine möglichst naturverträgliche Ausgestaltung geachtet. Beispiele sind der Parkplatz am nördlichen Ortsrand (wassergebundene Decke, Pflanzung von ca. 30 Laubbäumen) oder auch die Umgehungsstraße, die im Jahr 1994 einen 1. Preis beim bundesweiten Wettbewerb „Straße und Natur“ erhalten hat. Besonders hervorgehoben wurde hierbei die gute Einbindung der Straße in die sie umgebende Landschaft.

1995 hat die Gemeinde eine „Spalierbaum-Aktion“ durchgeführt mit dem Ziel, die Neu- bzw. Wiederanpflanzung von Spalierbäumen zu fördern. Um auch die Begrünung von Hauswänden, die an versiegelten, öffentlichen Straßenraum angrenzen, zu ermöglichen, hat die Gemeinde diesen Grund den Bürgern im Rahmen der Aktion zur Verfügung gestellt und die Kosten für die Entsiegelung und die Einfassung der Pflanzflächen übernommen. Außerdem wurden die Bäume im Rahmen einer Sammelbestellung vom Umweltreferat beschafft, so daß ein günstiger Preis für die Bürger erzielt werden konnte. Heute bereichern insgesamt 22 Spalierbäume, die aufgrund der Aktion gepflanzt wurden, den Ort - 15 davon auf öffentlichem, bisher zugeteertem Grund.

Aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht sind regelmäßige Kontrollen des gemeindlichen Baumbestandes notwendig. Nachdem sich die Gemeindegärtnerei nicht mehr dazu in der Lage sah, diese Kontrollen ordnungsgemäß durchzuführen, hat der Bau- und Umweltausschuß diese Aufgabe im Februar 2000 einem Privatunternehmen übertragen. Die Firma hat alle Bäume, die wegen ihrer Nähe zu Infrastruktureinrichtungen wie Gebäuden, Straßen oder Wanderwegen hinsichtlich der Verkehrssicherungspflicht von Bedeutung sind, erfaßt, numeriert, kontrolliert und die Ergebnisse in einem Baumkataster festgehalten. Die Bestandsaufnahme ergab zum einen, daß der relevante gemeindliche Baumbestand immens ist - das Kataster umfaßt insgesamt 3.302 Bäume (!) -, und zum anderen, daß viele der alten Bäume hinsichtlich ihrer Stand- und Bruchfestigkeit kritisch anzusehen sind mit der Folge, daß einige Bäume gefällt und bei anderen zum Teil sehr starke Eingriffe in die Krone vorgenommen werden mußten. Als Ausgleich sollen für jeden gefällten Baum soweit möglich zwei junge Bäume gepflanzt werden. Pflanzorte für rund 50 Bäume sind bereits festgelegt.

Auch in den kommenden Jahren wird noch so mancher alte Baum ersetzt werden müssen. Insbesondere gleichaltrige Baumbestände, die sich aus Altersgründen über kurz oder lang auflösen werden (wie z.B. am Lainendamm), sollen nach und umgebaut, also alte Bäume sukzessive durch junge ersetzt werden. Sonst könnte es passieren, daß eines Tages der gesamte Bestand auf einmal gefällt werden muß. Es ist davon auszugehen, daß die Gemeinde in den nächsten Jahren noch viel Geld in ihren Baumbestand wird stecken müssen.

Seit vielen Jahren führt der Gartenbauverein Oberammergau in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt und der Gemeinde Oberammergau einen sog. „Blumenschmuckwettbewerb“ durch. Im Jahr 1994 fand auf Initiative des gemeindlichen Umweltreferats erstmals parallel ein zweiter Gartenwettbewerb statt. Thema war der „Naturnahe Garten“. Ziel dieser neuen Art von Gartenwettbewerb war neben der Bewertung vor allem auch eine Beratung der teilnehmenden Gartenbesitzer und damit letztendlich die Förderung der Natur im Ort. Diese Zielsetzung wurde 1996 mit dem Wettbewerb „Fassadenbegrünung“ und 1998 mit dem Wettbewerb „Lebensraum Hecke“ fortgesetzt. Der Förderung der Natur in den Hausgärten dienten auch die Aktion „Pflanzenschutz ohne Chemie“ (1993) oder die „Ammergauer Komposttage“ (1992).

Gemeindliche Grünanlagen sind in Oberammergau aufgrund der Einbettung des Ortes in Wiesen, Weiden, Moore und Wälder, also in eine weitgehend intakte Natur, kaum vorhanden. Neben zahlreichem Straßenbegleitgrün, dessen Pflege entsprechend den Anforderungen des Straßenverkehrs durchgeführt wird, gibt es lediglich zwei kleine Kurgärten und eine kleine Grünanlage am Passionsspielhaus, die parkartig bewirtschaftet werden. Die restlichen gemeindlichen Grünflächen werden im allgemeinen nur einmal im Jahr gemäht, sofern sie nicht aufgrund ihrer Funktion als Rasen gehalten werden müssen (z.B. Schulhof, Liegewiese im „WellenBerg“ etc.). Auf andere Behörden versucht die Gemeinde einzuwirken, daß diese die in ihren Zuständigkeitsbereich fallenden Grünflächen möglichst naturnah bewirtschaften. So wurde z.B. mit dem Wasserwirtschaftsamt Weilheim vereinbart, daß dieses die Böschungen der Ammer im Gemeindegebiet  nur einmal und möglichst spät im Jahr mäht.

Im Rahmen des Projekts „Umweltschutz in der Gemeinde“ des Bayerischen Umweltministeriums wurde der Schulhof der Grund- und Hauptschule Oberammergau gemeinsam von Schülern, Lehrern, Eltern, Gemeindearbeitern und einheimischen Firmen naturnah umgestaltet. Unter anderem wurde in einer Projektwoche im Juli 1994 ein Feuchtbiotop (Teich), ein Schulgarten, ein Alpinum (aus den Resten einer abgebrochenen Bruchsteinmauer aus dem Schulhof) sowie ein Spiel- und Sportbereich (mit wassergebundenen Spielflächen) geschaffen. Die Maßnahmen verursachten Kosten von rund DM 35.000,--, von denen die Gemeinde DM 20.000,-- übernahm. Die restlichen DM 15.000,-- wurden von der Schule bzw. dem Elternbeirat finanziert, u.a. durch die Einnahmen aus einem „Schulhof-Fest“. Außerdem gab es zahlreiche Spenden von Firmen (so wurden z.B. Bagger und anderes Arbeitsgerät kostenlos zur Verfügung gestellt) und Privatpersonen. Der Schulhof soll auch in den kommenden Jahren weiter umgestaltet werden nach dem Motto „Der beste Schulhof ist der, der nie fertig wird.“

Regionalvermarktung

Die regionale Vermarktung der Produkte aus der heimischen Landwirtschaft hat durch das Projekt große Fortschritte gemacht:

1. Fleisch: Was mit Schmankerlwochen an Weihnachten 1999 begann hat sich inzwischen als dauerhaftes Angebot etabliert: unter dem Logo „Ammergauer Alpen“ werden Fleisch und Wurst vom Ammertaler Weiderind in einigen Gastronomiebetrieben und von den örtlichen Metzgereien jetzt ganzjährig angeboten. Lammfleisch soll so bald als möglich folgen.

2. Milch: Um eine Vermarktung derim Ammertal produzierten Milch in der Region zu ermöglichen wurde ein Konzept für eine Schaukäserei mit einer jährlichen Verarbeitungsmenge von 900.000 kg Milch erstellt. Als möglicher Partner bei Bau und Betrieb der Käserei konnte das Kloster Ettal gewonnen werden, das zudem auch ein Grundstück in günstiger Lage einbringen könnte. Die Landwirte sollen als Mitunternehmer in den Betrieb der Käserei eingebunden werden. Für die Umsetzung des Konzepts sind noch einige Detailarbeiten notwendig. Die Gemeinde hat damit Herrn Robert Schätzl beauftragt, der schon im Rahmen des Passionsprojekts den Baustein „Regionalvermarktung“ betreut hatte.

3. Wiesheu: Duftkissen mit Heu- oder Tannen-Heu-Duft und Heutiere gibt es seit Dezember 1999 von der Wiesmahdgemeinschaft Oberes Ammertal. Anfang 2001 hat sich der Wiesheu-Schnaps hinzugesellt. Der Verein hat damit Produkte geschaffen, die sich inzwischen einer regen Nachfrage erfreuen. Daß das an Heil- und Gewürzpflanzen reiche Heu der ungedüngten, einmahdigen Bergwiesen besonders hochwertig ist, zeigt sich auch daran, daß es inzwischen auch von Kurhotels und Kliniken aus dem Ammertal z.B. für Heubäder verwendet wird.

                                                                                                                             zurück